Pater Raymund wurde am 24. 7. 1896 in Gratzen geboren. Er war der älteste von vier Kindern des hiesigen Schmieds Matthias Chalupa. Sein ursprünglicher bürgerlicher Name war Josef Chalupa. Raymund ist ein Ordensname, den er bei seinem Eintritt in den Orden der Serviten gewählt und Zeit seines Lebens genutzt hat. Das M. in seinem Namen bedeutet Maria. Diesen Namen verwenden alle Mitglieder des Ordens der Serviten.
Seine Ausbildung erlangte Raymund Chalupa an deutschen Schulen. Mit zehn oder zwölf Jahren wurde er ans kirchliche Gymnasium in Innsbruck geschickt. Die damit verbundenen Kosten trug die gräfliche Familie. Nach dem Abitur in Innsbruck studierte er Theologie. Nach seinen Studien trat er dem Orden der Serviten bei (Serviten = Diener der Jungfrau Maria) und kehrte als Pater Chalupa nach Gratzen zurück, wo er bis zum Jahre 1963 lebte.
Das Wirken von Paters Raymund M. Chalupa beschränkte sich aber nicht auf das Leben hinter den Klostermauern. Er widmete sich auch aktiv der Musik und der Seelsorge.
Als Religionslehrer unterrichtete er an einigen Grundschulen der Gratzener Pfarre. Außer in Gratzen unterrichtete er in Weißenbach/Vyšná, Naglitz/Nakolice, Böhmdorf/Byòov und Piberschlag/Veveøí. Wie es früher der Brauch war, überwand er die Entfernung zwischen den Schulen zu Fuß. Auf dem Weg in die Schulen und zurück beobachtete er zur Abwechslung die Natur, sang Lieder und sammelte auch Pilze.
Sein Neffe Karel Chalupa erinnert sich in diesem Zusammenhang an den Onkel: „Der Onkel ging überall zu Fuß hin und während seiner Wanderschaften durch die Pfarrei sammelte er Pilze. Er war ein leidenschaftlicher Sammler von Pilzen, die er das ganze Jahr über sammelte. Manchmal hat er nicht einmal darauf geachtet, ob sie essbar waren – für ihn waren wahrscheinlich alle essbar. Immer wenn er von einer Wanderung kam, brachte er der Mutter Pilze. Die Mutter bedankte sich, schmiss sie jedoch unauffällig in den Abfall, weil sie nicht zum Essen waren.“
Während des Krieges blieb Pater Chalupa in Gratzen und war weiterhin als Priester aktiv. Nach dem Krieg verblieben im Servitenkloster nur Pater Raymund M. Chalupa und Pater Kazimír M. Jindra. Pater Chalupa bekleidete das Amt des Priors und des Pfarrers. Pater Kazimír M. Jindra war als Kaplan tätig. Die anderen Ordensbrüder mussten zusammen mit der Mehrheit der deutschen Bevölkerung im Jahre 1946 Gratzen verlassen.
Bis zum Jahre 1950 war Pater Kazimír Jindra noch im Kloster. Bis dahin verteilten sie sich die Aufgaben so, dass Pater Jindra die Predigt hielt und Pater Chalupa während der Messe Orgel spielte. Musik war nämlich eine große Liebe von Pater Raymund. Deshalb war er auch Orgelmeister und Chorleiter in einem. In seinem Repertoire waren vor allem deutsche Messen und verschiedene liturgische Lieder, die Pater Raymund selbst komponiert hatte.
Auch in der Nachkriegszeit erteilte er Religionsunterricht an Schulen. Oft wurde er Mittelpunkt von Lausbubenstreichen. „Die Jungen haben ihn geärgert, indem sie Kugeln in die Kapuze seiner Kutte hineintaten. Als der Pater nach dem Unterricht die Kirche betrat, fielen die Kugeln heraus. Am nächsten Tag kam er in die Schule, machte an der Kutte einen Knoten und damit schlug er die jungen Übeltäter.“
1950 wurde Pater Kazimír vom Staatssicherheitsdienst aus dem Kloster ins Internierungslager nach Osek gebracht. Seitdem war Pater Raymund im Kloster allein. Pater Kazimír kam zwar nach einiger Zeit wieder nach Gratzen zurück, das Priesteramt durfte er jedoch mangels „kirchlicher Zustimmung“ nicht mehr ausüben. Nach 1950 wurde das Kloster dem Innenministerium zur Nutzung übertragen. Dieses stellte es der Grenzsoldatentruppe zur Verfügung. Pater Raymund zog daher in die alte Schule gleich neben der Kirche um, wo ihm zwei Zimmer zugeteilt wurden. Auch weiterhin widmete er sich seinen kirchlichen Pflichten. Als ein vom Staat bezahlter Priester las er auch weiterhin Messen und führte bis zu seinem Tod im Jahre 1963 Begräbnisse und Hochzeiten durch.
Nicht nur die Familie, sondern auch die Ortsbewohner haben ihn als einen netten und liebenswürdigen Menschen in Erinnerung. Trotz der unbestrittenen positiven Eigenschaften hatte er auch seine kleinen Makel, die ihn zu einem „normalen“ Menschen machten: „Wenn er uns besuchte, sprach er mit uns über normale Dinge, wer und wo gestorben ist… Meine Mutter und mein Vater kamen nicht viel unter die Leute und er versorgte sie mit Neuigkeiten. Ich wusste nicht einmal, dass er ein Doktorat in Philosophie und Theologie hatte. Er führte Begräbnisse durch und nachher kam er immer zu uns in die Schmiede auf einen Tee mit Rum. Rum mochte er gerne, er hat ihn immer in den Tee hineingetan. Und nicht nur bei uns, er kaufte ihn auch beim Ziegler. Er nahm nicht den Haupteingang, sondern den Seiteneingang von der Seitengasse aus. Der Herr Ziegler hatte immer gleich gewusst, was er wollte und hatte immer für ihn eine Flasche da gehabt …
Am häufigsten ist er jedoch zu uns gegangen. Wenn es in einer Woche drei Begräbnisse gab, kam er auch dreimal in der Woche. Das Priesterornat hat er immer dem Ministranten anvertraut, er solle es ins Kloster bringen, und er blieb bei uns und erzählte. Er war großartig und hatte eine normale menschliche Beziehung zu den anderen Leuten“, erzählt der Neffe Karel Chalupa.

Wir danken Herrn Karel Chalupa, dem Neffen vom Pater Raymund M. Chalupa für die Leistung der Fotos und weiterer Materialien.